Zu unserer Geschichte

Chronik

Am 2. Juli 1888 als satzungsgemäßer Verein unter dem Namen "Zehlendorfer Turnverein" gegründet bestand er aus einer Männer-Turnriege und mehreren Jugendlichen. In einem Inserat des "Zehlendorfer Anzeigers" wurden die damals knapp 3000 Einwohner Zehlendorfs aufgerufen, dem Verein beizutreten.

Den heutigen Namen "Zehlendorfer Turn- und Sportverein von 1888 e.V." erhielt der Verein im Jahre 1919 durch den Zusammenschluss des "Sportclubs Zehlendorf" und dem "Zehlendorfer Turnverein"
 
Eigenes Grundstück
Seit 1920 sitzt der Verein auf eigenem Grund und Boden. Damals wurde das mit Heidekraut dicht bepflanzte Terrain, auf dem das damals beliebte Sonnenbad des Vereins bereits seit 1904 betrieben wurde, gekauft.

Neugründung und Wiederaufbau
1947 wurde der Verein nach alliierter Enteignung neu gegründet. Es wurde aufgeräumt und neugebaut. Im Dezember 1994 wurde mit der Einweihung des Vereinshauses ein weiteres Kapitel der wechselvollen Geschichte von Z88 abgeschlossen. In den letzten Jahren hatte der Verein durchschnittlich 2400 Mitglieder.

 

Eine Zeitzeugin im Gespräch

Frau Gerlinger (Nov. 2006)

Alles heiter und harmonisch.
Erna Gerlinger erinnert sich an die alten Z88- Zeiten und an Karl Harder.

Z88 ist einhundertachtzehn Jahre alt, uralt sozusagen. Für manche von uns verschwimmt die Vorgeschichte des Vereins gleichsam im Nebel der vergangenen Jahrhunderte. Dabei gründet unser sportliches Glück auf der Tüchtigkeit unserer Vorgänger. Ohne sie hätten wir keine eigenen Spielplätze, keinen Ort zum Feiern und Relaxen, kein eigenes kleines Reich mitten in Zehlendorf.

Erna Gerlinger erinnert sich daran. Sie ist Jahrgang 1912, als der Kaiser noch regierte, und der Sport gerade begann, die wichtigste Nebensache der Welt zu werden. Auch in Zehlendorf bei Berlin, wo Frau Gerlinger geboren wurde und wo sie, wie später auch ihre Söhne Klaus und Lutz, seither lebte. Das war nicht immer leicht  und auch Z88 hat durchaus schwierige Zeiten hinter sich.

1920 trat die kleine Erna als Achtjährige dem Sportverein bei. Es war eine unruhige, erlebnisreiche Zeit, geprägt von Inflation und politischen Machtkämpfen. Auch im Z88 ging es zeitweise hoch her. Manchmal stand alles auf des Messers Schneide. Da war es ein Glück, dass es Karl Harder gab......

Karl Harder? Erna Gerlinger erinnert sich: Er war ein großer, stattlicher Mann. Tapfer und sehr geschickt. Zweimal war er Vorsitzender unseres Vereins. 1920 bis1924 und 1927 bis 1933. Er hatte eine Tochter, die Faustball spielte. Sie war groß und kräftig und sehr hübsch. Leben wird sie nicht mehr, denn sie war älter als ich und müsste jetzt über Hundert sein.

Frau Gerlinger spielte damals Handball. Sie war Verteidigerin und ist mit ihrer Mannschaft auch einmal Brandenburger Meister geworden. "Die Freude und die Kameradschaft war für uns das Wichtigste. Mein Mann und ich verbrachten jeden Sonntag im Vereinsheim,  wir trafen uns mit den anderen und waren fröhlich miteinander. Auf dem Vereinsgelände haben viele Kinder ihre Ferien verbracht, jene, die nicht verreisen konnten. Soweit ich mich erinnere, ist immer alles heiter und harmonisch verlaufen."

"Waren sie denn auch mal verletzt?" Oh, ja, man musste sehr auf seine Knochen aufpassen. Meine Finger habe ich oft verstaucht. Ich habe heute noch eine Verdickung an meinem Finger, die bin ich nie losgeworden. Um unsere Verletzungen behandeln zu lassen, konnten wir jeden Sonntag ins Krankenhaus Waldfriede gehen. Dort war ein Arzt, der uns versorgt hat. Leider habe ich seinen Namen vergessen. Er war in unserem Verein sehr beliebt, denn er hat uns umsonst behandelt."

Z88 musste jede Mark zusammenhalten. Denn Karl Harder hat in jenem Jahr das Kunststück fertig gebracht, das Vereinsgelände zu kaufen. Am 14. Januar 1920 fand im Kaiserhof die Jahreshauptversammlung statt. Achtzig von damals 394 Mitgliedern nahmen an dieser Hauptversammlung teil und wählten Karl Harder zu ihrem 1. Vorsitzenden.

Am 11. September 1920 war der Vertrag, den Harder zustandegebracht hat, unterschriftsreif. Seither hat Z88 eigenen Grund und Boden. Zuerst 21 000 qm mit einer märkischen Sandwüste als Herzstück. Am 23. Mai 1921 kamen weitere 10 000 qm dazu. Dabei ist es geblieben, obwohl es niemals an Versuchen gefehlt hat, die stattliche Sportanlage dem Verein wieder abzujagen, sie anzuknabbern oder unter fremde Kontrolle zu stellen.

Da war Karl Harder vor. Er muss auch in finanziellen Dingen ein Talent gewesen sein. Doch seine Spur verliert sich. Auch Erna Gerlinger, die zu Harders Zeiten ihre schönsten Sporterfolge feierte, weiß nicht, was aus dem Mann, der die Z88-Fundamente legte, geworden ist. Aber man sollte ihn nicht vergessen.

Beitrag von Regina Halter