Geschichte und Entstehung

Im 19. Jahrhundert waren Kugelspiele in Italien, Großbritannien und Frankreich als Volkssportarten mit regional unterschiedlicher Beliebtheit und mit lokal variierenden Regeln anzutreffen. Das italienische Boccia, das britische Bowls und die französischen Boule-Spiele Pétanque, Jeu Provençal und Boule Lyonnaise sind die heute bekanntesten und verbreitesten.

Die französischen Boule-Spiele

In Frankreich wurden etwa 1865 Regeln für Boule Parisienne (Boule de berges) entwickelt. Die ersten Regeln für Boule Lyonnaise vereinbarte man 1894 bei einem Turnier in Lyon. Aus Boule Lyonnaise entstand mit einfacheren Regeln und kleineren Kugeln um 1907 das Jeu Provençal, auch la longue genannt. Durch weitere Vereinfachung entwickelte sich 1910 das Jeu de Pétanque, das sich von Südfrankreich aus inzwischen auf der ganzen Welt verbreitet hat.

Pétanque

Es wird überliefert, dass in der kleinen Hafen- und Werftenstadt La Ciotat, ca. 30 km östlich von Marseille, sich eine Gruppe von Freunden regelmässig zum Jeu Provençal traf. Dazu gehörte auch Jules Le Noir, der aber wegen einer Gehbehinderung bei dem recht athlethischen Spiel, das mit Anlauf auf eine Entfernung von 20 Metern gespielt wird, nicht mitmachen konnte. Um nicht einfach nur zuzusehen, begann er die Kugeln auf eine kürzere Distanz zu werfen. Sein Freund Ernest Piotet leistete ihm Gesellschaft, andere kamen hinzu und mit der Zeit einigte man sich darauf, die Kugeln stehend aus dem Abwurfkreis auf eine Länge von 6 Metern zu werfen. Aus dem provençalischen ped tanco (Füsse zusammen, auf dem Boden fixierter Fuß) entwickelte sich unser heutiges Pétanque.